Ist das Christentum abgelaufen?

Warum ist es bei den heutigen Jugendlichen nicht angesagt, ein Christ zu sein? Was ist eigentlich die Hauptsache im Christentum?

In der heutigen Gesellschaft kann man sich leicht als „Christ“ bezeichnen. Dennoch erleben die meisten christlichen Glaubensgemeinschaften einen ständigen Rückgang der Mitgliederanzahl. Warum ist das so?

Im Herbst 2011 präsentierte das anerkannte amerikanische Forschungs- und Medienhaus „Kindergruppe“ (Barna Group) das Resultat aus dem Projekt „Glaube, der bleibt“ (eng. „Faith that Lasts“). Sie zeigten auf, warum beinahe 3 von 5 jungen amerikanischen Christen ihre christliche Gemeinschaft nach dem 15. Lebensjahr verlassen. Betrachtet man das Fazit des Projekts und die Aussagen vieler Jugendlicher, wird deutlich: Etwas muss verkehrt sein – mit der Kirche, den Jugendlichen oder vielleicht mit beiden. Denn:

Was ist eigentlich die Hauptsache beim Christentum?

In seinem Missionsbefehl sagt Jesus: „Geht darum aus und machet alle Völker zu meinen Jüngern. Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Matthäus 28,19-20. Warum sollen die Gebote gehalten werden? Weil Jesus auf die Welt kam, um Brüder und Schwestern zu bekommen – Geschwister, mit denen er zusammen bei Gott sein kann (Hebräer 2,10-18).

Doch nachdem Adam und Eva ungehorsam gewesen waren und von den Früchten im Garten Eden gegessen hatten, hat die Sünde die Menschen von Gott getrennt. Jesus kam, um uns einen Weg zurück zu Gott zu weisen. Er zeigte den Weg, um Gottes Gebote halten zu können und um von der Sünde frei zu werden! Diese Freiheit beinhaltet, dass in uns das Gebet des „Vater unser“ Wirklichkeit wird: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“, zuerst bei uns selbst und danach in unserer Umgebung. Dadurch sind wir Werkzeuge für Gott und nicht für unser Ego. Das ist die Freiheit, mit der Jesus kam! (Römer 8,3-4; Hebräer 10,19-20)

Laut Jesu eigenen Worten befindet sich das Christentum also auf Irrwegen, wenn es nur dazu führt, dass die Menschen eine Fassade von Heiligkeit aufrecht erhalten, während sie weiterhin egoistisch, selbstgerecht und stolz sind.

Die zudeckende Gnade und „Vergebung der Sünden“

Ein grundlegender Begriff im Christentum ist die Vergebung der Sünden. Damit zeigt Jesus, dass er uns liebt und wir zeigen, dass wir ihn auch lieben. Aber glaubst du nicht auch, dass Jesus mehr beabsichtigt hat als er am Kreuz starb, als uns „nur“ von unserer Sündenschuld zu befreien? „Wenn ihr mich liebt, so haltet ihr meine Gebote“, sagt er in Johannes 14,15.

Alle wissen, dass Liebe ohne Werke vollständig wertlos ist. Warum sollte das nicht auch hier gelten?

Die Untersuchung der „Barna Group“ zeigt, dass viele junge Christen und ihre Kirchengemeinden, mit ihren Pastoren und Leitern, das mehr oder weniger aus den Augen verloren haben. Wenn Jesu Gnade „erlaubt“, dass ich schlecht rede, lüge und herabsetzend über andere denke, habe ich dann nicht die Sündenvergebung zur Sündenerlaubnis verdreht? Wo ist in diesem Fall der Unterschied zwischen einem Kirchenmitglied und einem, der nicht Mitglied ist?

Ist es nur die Vergebung, die auch vor der Zeit Jesu zugänglich gewesen ist (Hebräer 10,1+9)? Müssen Pastoren viele Gebote und Regeln für Einzelheiten des Lebens aufstellen, um eine Trennung zwischen „uns“ und „ihnen“ sichtbar zu machen? Werden diese menschlichen Auslegungen der Bibel als vom Heiligen Geist eingegebene, von Gott gesetzte Grenzen dargestellt, obwohl sie in Wirklichkeit nur eine schöne Fassade von Heiligkeit aufrecht erhalten? Und hinter der Fassade kann der Egoismus und Stolz gut weiterleben!?

Wenn es so ist, braucht man sich über eine Aussage, die 20 Prozent der Teilnehmer in einer Untersuchung bekräftigt haben, nicht zu wundern: „Mein Eindruck von der Kirche ist, dass Gott nicht anwesend ist.“

(…) obwohl sie in Wirklichkeit nur eine schöne Fassade von Heiligkeit aufrecht erhalten? Und hinter der Fassade kann der Egoismus und Stolz gut weiterleben!?

Warum ist es nicht „in“, ein Christ zu sein?

Auf der beschriebenen Grundlage sollen christliche Jugendliche die Richtung für ihr Leben wählen, während der Zeitgeist damit lockt, „sich selbst zu verwirklichen – das Leben zu leben“ und die Lust zu sexueller Ausschweifung sich stark geltend macht. Wie kann man erwarten, dass diese Jugendlichen etwas wählen, was sie als falsch, oberflächlich, altmodisch und außerstande erleben, die wichtigsten Fragen ihres Lebens zu beantworten?

Die Frage beantwortet sich selbst, und deshalb sieht es für das Christentum schlecht aus.

Hat das Christentum abgelaufen?

Nein, absolut nicht! Aber wir müssen zu dem zurückkehren, wie es zu Beginn war. Statt Sündenerlaubnis und Fassadenchristentum müssen wir alles einsetzen, um es so zu verkündigen, dass jeder Einzelne in der Versammlung sich selbst die Frage stellen muss: „Will ich hier in der Welt möglichst viel nach meinen Lüsten leben und dann durch die Gnade in den Himmel gleiten?“ – in dem Fall sagt uns Judas 4 wie es ausgeht: ‚Es sind gottlose Menschen, für die längst das Urteil aufgeschrieben ist. Sie missbrauchen die Gnade unseres Gottes zu einem ausschweifenden Leben.‘ – „oder will ich Jesus echte Gegenliebe erzeigen, indem ich seine Gebote halte und von der Sünde frei werde?“

„Was willst du eigentlich?“, ist die Frage, mit der dein persönliches Christenleben steht oder fällt. Mit dieser Frage als „Filter“ entfallen viele schwierige und unbeantwortete Probleme. Sie sind nicht mehr wichtig. In den Mittelpunkt deines Interesses rückt Gott und sein Wille für dein Leben. Wenn du aufrichtig nach seinem Willen leben möchtest, wird der Heilige Geist dir die Grenzen zeigen, die Gott für dich in seiner großen Liebe und göttlichen Weisheit gesetzt hat.

Dann bist du nicht mehr daran interessiert, diese Grenzen in Bezug auf Sexualität, Filme, Spiele oder anderes auszudehnen. Du erkennst, dass Gottes Gebote und Gesetze die einzigen sind, die dich von deinem Egoismus frei machen können. Sie führen dich zu seinem ungeahnten Frieden und seiner Freude – bereits in diesem Leben und weiter in Ewigkeit. Dein Handeln misst du nicht mehr an dem Zeitgeist und den veränderlichen Strömungen in der Gesellschaft, sondern an Gottes Wort in der Bibel. Und das verändert sich nicht (Hebräer 13,8).

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