Was geschieht mit dem Glauben bei einem Schicksalsschlag?

Lydia und Jouni waren Anfang zwanzig und gerade erst ein knappes Jahr verheiratet, als ihr Leben vollkommen auf den Kopf gestellt und ihr Glaube an Gott auf das Äußerste geprüft wurde. Ein Erlebnisbericht.

Es war genau an unserem ersten Hochzeitstag, als Jouni merkte, dass er das Gefühl in seinen Zehen verlor. Wir wohnten den Sommer über in Finnland und er hatte gerade eine gute Arbeitsstelle als Kranführer mit einer guten Bezahlung bekommen. Wir benötigten das Geld, um das letzte Jahr meines Studiums in England finanzieren zu können.

Wir suchten drei Ärzte auf. Doch sie schätzten es nicht als eine ernste Erkrankung ein. Sie meinten, es sei vielleicht nur ein eingeklemmter Nerv. Wir kamen jedoch immer wieder, da sich die Symptome häuften. Schlussendlich, nach ungefähr zwei Wochen, war Jouni kaum mehr in der Lage, ohne fremde Hilfe zu gehen, und wurde deshalb sofort zur Kernspintomographie geschickt. Ich erinnere mich noch gut daran, als der Arzt kam und mit uns in sein Büro ging. Er erklärte, dass man einen Tumor in seinem Rücken gefunden habe. Es bestand jedoch noch keine Klarheit darüber, ob dieser bösartig oder gutartig war. Deshalb sollten wir zu einer Klinik in einer anderen Stadt fahren, um dort eine Biopsie durchführen zu lassen.

Nach ungefähr zwei Wochen war Jouni kaum mehr in der Lage, ohne fremde Hilfe zu gehen, und wurde deshalb sofort zur Kernspintomographie geschickt.

Als wir in der Klinik in Tampere ankamen, wurde die Situation von den dortigen Ärzten zu kritisch für jede Art von langwierigen Untersuchungen eingeschätzt. Jeder Versuch, das Stadium oder den Typ des Krebsgeschwüres herauszufinden, könnte zu einer weiteren Streuung führen. Es würde eine lange und schwierige Operation werden, ohne jede Garantie dafür, dass Jouni überleben würde, geschweige denn jemals wieder gehen könne.

Ich erinnere mich gut, dass wir lange Zeit zusammen saßen, ohne ein einziges Wort zu sagen. Hatte der Arzt tatsächlich „Krebs“ gesagt? Man hofft, dieses Wort niemals hören zu müssen. Wenn man es doch hört, wirkt es vollkommen unwirklich.

Hatte der Arzt tatsächlich „Krebs“ gesagt?

Doch dann geschah etwas Seltsames. Es kam uns vor, als ob die Zeit stehen blieb und wir über die gesamte Situation erhoben wurden. Wir konnten deutlich die Gebete unserer Glaubensgeschwister für uns spüren, und wir beide erlebten eine außergewöhnliche Gemeinschaft.

„Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Matthäus 18,20. Diesen Vers erlebten wir aus erster Hand. Auch wenn Tränen flossen, hatten wir Ruhe in Gott; durch die Geschwister in unsere Herzen hineingebetet. Uns erreichten viele ermutigende Nachrichten. Jouni zu sehen, wie er den Operationssaal in völliger Ruhe betrat, machte auf mich wohl den größten Eindruck.

Ein langer Heilungsprozess

Nach der Operation begann für Jouni der lange Heilungsprozess. Dabei stießen wir im Laufe der Zeit auf viele weitere Hürden: MRSA, eine zweite Operation an seinem Herzen, Infektionen. Wir meinten, die große Schlacht sei geschlagen und konnten kaum glauben, dass noch mehr kommen sollte.

Wir meinten, die große Schlacht sei geschlagen und konnten kaum glauben, dass noch mehr kommen sollte.

Ich weiß noch das ich dachte: „Gut, Gott wird uns nicht mehr zumuten, als wir tragen können. Und ich bin jetzt am Ende meiner Kräfte. Es kann nicht mehr schlimmer kommen!“ Doch Gott musste mich zuerst in eine Lage bringen, in der ich ihn suchte, ohne auch noch auf meine begrenzte menschliche Kraft zu vertrauen. Nur so konnte er mit etwas ganz Neuem in mir beginnen!

Es gab viele Dinge die ich nicht verstehen konnte. Uns Menschen fällt es schwer vorwärts zu gehen, ohne genau zu wissen – oder wenigstens eine leise Ahnung davon zu haben – warum manche Dinge geschehen. In dieser Situation im Glauben vorwärts zu gehen, bedeutete für mich, meine Augen zu schließen und Gott meine Hand zu geben.

In dieser Situation im Glauben vorwärts zu gehen, bedeutete für mich, meine Augen zu schließen und Gott meine Hand zu geben.

Viele Male dachte ich, dass es nicht mehr weiter geht, und es war schwer auf Gott zu vertrauen. Doch dann kam mir dieser Bibelvers in den Sinn: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Jesaja 55,7-8

Auf Gott vertrauen

Man kann sich leicht eine Vorstellung aus dem Hut zaubern, was Gott einem wohl durch eine Situation zeigen will und auf welche Weise er alles zum Guten wenden wird. Doch seine Wege und Gedanken sind höher als die eigenen. Man weiß selbst einfach nicht, wie er einen in einer Situation gebrauchen will. Man kann jedoch völlig in der Ruhe und Gewissheit sein, dass sein Plan vollkommen ist.

Allmählich lerne ich Gottes Gedanken mit mir zu verstehen, und ich begreife, dass sich alles um meine Erlösung und meine Ewigkeit dreht. Es gilt für mich, die Dinge auf die richtige Weise anzunehmen, damit er seine Arbeit in mir tun kann.

Am Anfang bemühten wir uns, jeden Tag möglichst heil über die Runden zu kommen. Es wurde nicht leichter und ich kann mich noch gut erinnern, dass mir jemand schon früh den Rat gab: „Du musst deinen Blick auf IHN richten, sonst wirst du untergehen.“ Wir entschieden uns dazu, jeden Tag auf diese Weise zu leben.

Wenn die Zeiten sehr dunkel erscheinen, denke ich oft an den Vers aus 1. Samuel 7,12: „Bis hierher hat uns der HERR geholfen.“

Ihm vollkommen zu vertrauen ist die einzige Alternative.

Er hat uns niemals im Stich gelassen. Aus allen Dingen in die er uns hinein geführt hat, hat er uns auch wieder heraus geführt. Ihm vollkommen zu vertrauen ist die einzige Alternative. Wir wissen nicht was uns die Zukunft bringen wird. Im Moment ist Jouni von der Taille abwärts gelähmt. Wir wissen nicht, ob er jemals wieder gehen wird, aber wir wissen, dass Gott uns bewahren wird und dass uns alle Dinge zum Allerbesten dienen werden – zu unserer ewigen Erlösung.

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